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Workshop V

Dance Heritage from a Bournonville Perspective mit Frank Andersen und Dinna Bjørn

Tanz ist Kunst, weil es Begabung, Willen und Fähigkeit erfordert. Tanz gehört den Schönen Künsten an, weil es ein Ideal anstrebt und dies nicht nur im plastischen sondern auch im lyrischen Sinne. Die Schönheit, um die sich der Tanz bemühen sollte ist nicht abhängig von Geschmack oder Gefallen, sondern ist begründet in den unveränderlichen Gesetzten der Natur. Die Kunst der Mime umfasst alle Gefühle der Seele.

Tanz ist andererseits in seinem Wesen ein Ausdruck von Freude, eine Lust dem Rhythmus der Musik zu folgen. Freude ist eine Stärke; Vergiftung ist eine Schwäche. Das Schöne behält immer die Frische der Neuartigkeit, während das Erstaunliche bald langweilig wird. Tanz kann mit der Hilfe von Musik zu den Höhen der Dichtung aufsteigen.

Auf der anderen Seite kann es mit einem Übermaß an Gymnastik auch zur Posse verkommen. Die sogenannten „schwierigen“ Schritte können von unzähligen Anhängern ausgeführt werden. Das Erscheinen von Leichtigkeit ist aber nur wenigen Auserwählten vergönnt. Das Geheimnis aller Kunstfertigkeit ist zu wissen, wie die technische Anstrengung und Anspannung unter harmonischer Ruhe verborgen werden kann.

Dieser kleine Ausschnitt von August Bournonville – vor fast 150 Jahren geschrieben – ist immer noch so frisch, als ob er heute geschrieben worden wäre.

Die Idee meines Workshops in Frankfurt ist, diesen Mann, August Bournonville, sein Ballett und Repertoire sowie seinen Stil und seine Mime vorzustellen.

Er war über 40 Jahre künstlerischer Direktor in Dänemark am Dänischen Königlichen Ballett. Er begann 1830, er war gerade mal 25 Jahre alt, und verließ das Haus bei seiner Pensionierung 1877. Außerdem war er von 1855-1856 künstlerischer Direktor in Wien und von 1861-1864 in Stockholm.

 

Seine sechs Tanzstunden – benannt von Montag bis Samstag – beinhalten fast 150 verschiedene Enchainments. Sein Nachfolger, Hans Beck, hat diese gesammelt und zu täglichen Tanzstunden zusammengefügt. Wir werden bei dem Workshop mit der Mittwoch-Stunde arbeiten.

Bournonville choreographierte mehr als 50 Ballettstücke und Divertissements sowie ebenso viele Entrees zu Opern und Dramen. Seine bekanntesten Ballette sind: La Sylphide, A Folktale, Kermesse In Bruges, Napoli, Lifeguards on Amager, Conservatoire, Far From Denmark, La Ventana, PDD Flower Festival in Genzano und PDD Wilhelm Tell. Im Workshop werden wir an dem PDD des Flower Festival in Genzano arbeiten.

Die Bournonville-Mime ist weltbekannt und wird zunehmend als ein Beispiel für non-verbale Kommunikation benutzt. In seinen Choreographien wird Mime als ein sehr bestimmter Ausdruck und eine einfache Art von zwischenmenschlicher Kommunikation eingesetzt. Seine Choreographien handeln immer vom einfachen Volk und sind nie abstrakt. Er choreographierte allerdings auch einige Ballette über die nordischen Götter.

Bournonville etablierte Ballett als anerkannte Kunstform und sorgte dafür, dass die Gage der Balletttänzer dem Niveau von Oper und Schauspiel angeglichen wurde. Auch die Einführung des staatlichen Pensionssystems in Dänemark für künstlerische Berufe geht auf Bournonville zurück und besteht bis zum heutigen Tag.

In diesen Workshop hoffe ich, einen umfangreichen Einblick in das Schaffen des berühmtesten Dänen unserer Ballettwelt zu bieten.

Raum: Tanzstudio 1 oder 2

 

Ein Projekt der Ausbildungskonferenz Tanz, veranstaltet von der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main, gefördert durch das Ministerium für Bildung und Forschung